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THE SOCIAL FUNCTION OF HISTORICAL KNOWLEDGE AND SCHOLARLY HISTORY WRITING IN THE 21ST CENTURY

In: Historický časopis, vol. 65, no. 5
László Vörös
Detaily:
Rok, strany: 2019, 785 - 797
Jazyk: eng
Kľúčové slová:
Social function of history. Historiography. Abuse of history. Legitimization through history. Epistemology of historiography.
Typ článku: / Articles; Studien
Typ dokumentu: časopis / Journal
O článku:
In the 21st century historiography remains epistemologically diverse like no other discipline in the social sciences and humanities. Theoretically uninformed, often nationalist, and objectivist (reconstructionist) narrative historians coexist with constructionist and deconstructionist historians who work with social theories and conduct critical analyses within the same institutional frames of regional or national historiographies. In spite of decades of intense plausible criticism – at least in the countries of Central and Eastern Europe – the national/nationalist history writing based on rather naïve objectivist epistemology remains influential and forms an important, if not dominant, part of respective national historiographies. The present paper suggests that there are several factors of the lasting reproduction and even thriving of the obsolete epistemological positions that traditional, narrative national/nationalist historiographies are based on. These might be categorized as cognitive, social, and institutional in their nature. The paper analyses particularly the social purpose of the knowledge about the past and the social functions of institutionalized professional history writing. National histories play an important part in the politics of memory and identity; they provide a historical dimension to the ideal (imagined) national community, they also serve as legitimizing or delegitimizing narratives – these functionalities require a strongly objectivist (naïve) epistemology. In fact, the epistemological points of departure of the traditional narrative national/nationalist historians are very similar to the intuitive “pre-cognitive” theories of the past shared by most ordinary people. Both are based on the idea that the past can be narrated in the form of one true story. The paper comes to the conclusion that historiographies – at least in the Central and Eastern European countries – are formatively influenced by social determinants coming from outside the discipline to a much larger extent that most historians are ready to admit.

Keiner der Bereiche der Sozial- und Geisteswissenschaften ist derzeit so epistemologisch gesplittert wie die Historiographie. Im Rahmen einzelner Historiographien – zumindest in den Ländern von Mittel- und Osteuropa – wirken nebeneidander auf einer Seite narrative Historiker, die aus der Rankekonzeption der Geschichte ausgehen, auf der anderen Seite konstruktivistische Historiker, die mit gesellschaftswissenschaftlichen Theorien arbeiten und sich mit den methodologischen Vorgängen aus anderen Disziplinen der Sozial- und Geisteswissenschaften inspirieren. Für Historiker die zur ersten genannten Gruppe gehören bildet den Hauptgegenstand ihres Interesses „die Nation“, welche sie als historische Entität verstehen, die gelichzeitig das Objekt sowie handelndes Subjekt der Geschichte ist. Diese Historiker schreiben die nationale Geschichte und oft kommen in ihren Arbeiten auch nationalistische Argumentationen vor. Die zur zweiten Gruppe gehörenden Historiker betrachten als Hauptgegenstand ihrer wissenschaftlichen Untersuchung soziale Phänomene, und sie fangen ihre Arbeiten oft mit der Kritik nationaler/ nationalistischer Interpretationen der Vergangenheit an. Verständlicherweise stellen die so definierten „Typen“ von Historikern nur zwei Randpolen dar, zwischen denen eine Menge übergängiger Varianten des Zugangs zur Vergangenheitsforschung ist. Wie ist es möglich, dass innerhalb einer wissenschaftlichen Disziplin langfristig nebeneinander zwei sich gegenseitig vollkommen ausschließende Untersuchungszugänge existieren können? Wie ist es möglich, dass nationale/ nationalistische Geschichtschreibungen nicht nur überleben, sondern sich auch erfolgreich reproduzieren, obwohl mindestens ein halbes Jahrhundert lang die unerbittliche und begründete Kritik ihrer epistemologischer Zufluchten sowie methodologischer Vorgänge dauert? Es gibt mehrere relevante Antworten auf diese Fragen in Abhängigkeit vom Bereich, wo wir uns entscheiden sie zu suchen. Untersuchen kann man kognitive, sozial-psychologische und soziale sowie institutionelle Faktoren. In diesem Artikel konzentriert sich der Autor nur auf einen konkreten sozial-psychologischen und sozialen Faktor, welcher bedeutend zu der Reproduktion des „Paradigmas“ der nationalen Geschichte beiträgt. Dieser Faktor ist: der soziale Zweck des Wissens über die Vergangenheit (also der Geschichte), womit eng auch die soziale Funktion der Historiographie als institutionalisierter wissenschaftlicher Disziplin zusammenhängt. Die nationale Geschichte, also Narrative, über die Vergangenheit des Volks sowie die nationalen/nationalistischen narrativen Historiker spielen eine wichtige Rolle in der Gedächtnispolitik und der Identitätspolitik. Die nationale Geschichte bietet eine historische Dimension der „Nation“ als der vorgestellten Gemeinschaft – „die Nation“ wird auch dank dem wirklich und tastbar, dass sie „eine Geschichte hat“. Die nationalen Historiographien können diese ihre „Mission“ auch aus dem Grund erfüllen, dass sie aus der objektivistischen Epistemologie ausgehen, die auf intuitiver Ebene einer Mehrheit der Menschen eigen ist. Die Vorstellungen traditioneller narrativer nationaler/nationalistischer Historiker und einfacher Menschen über die Vergangenheit und Kennbarkeit der Vergangenheit sind sehr ähnlich. So die nationalen Historiker als auch die meisten ihrer Leser denken über die Vergangenheit als über ein vergangenes Geschehen nach, das in Form eines Narrativs repräsentiert werden kann, das ein treues Bild dessen ist, wie die Dinge tatsächlich geschehen sind. Der Autor untersucht im Artikel auch weitere soziale Funktionen, die die Historiographie die historische Wissenschaft in den modernen Gesellschaften erfüllt und er kommt zum Schluss, dass die nationalen Historiographien dank der sozialen Anfrage – obwohl sie laut gegenwärtiger Kriterien des wissenschaftlichen Kennenlernens nicht als wissenschaftlich betrachtet werden können –überleben und sich reproduzieren. Die Historiographie stellt aus dieser Sicht eine Disziplin dar, auf deren Regeln und Funktionieren ihre sozialen Funktionen einen solchen bedeutenden Einfluss haben, dass sie die kompletten Grundsteine ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit beeinflussen.
Ako citovať:
ISO 690:
Vörös, L. 2019. THE SOCIAL FUNCTION OF HISTORICAL KNOWLEDGE AND SCHOLARLY HISTORY WRITING IN THE 21ST CENTURY. In Historický časopis, vol. 65, no.5, pp. 785-797. ISSN 2585-9099. DOI: https://doi.org/10.31577/histcaso.2017.65.5.1

APA:
Vörös, L. (2019). THE SOCIAL FUNCTION OF HISTORICAL KNOWLEDGE AND SCHOLARLY HISTORY WRITING IN THE 21ST CENTURY. Historický časopis, 65(5), 785-797. ISSN 2585-9099. DOI: https://doi.org/10.31577/histcaso.2017.65.5.1
O vydaní:
Vydavateľ: Historický ústav SAV / Institute of History of the Slovak Academy of Sciences
Publikované: 30. 3. 2019